Geschichte

Once upon a time in England - Schlüsselerlebnis beim Frühstück

Die Geschichte des GC Wienerwald begann in England vor mehr als einem halben Jahrhundert, als ein gewaltiger Hook, geschlagen auf dem 3. Hole des GC Leatherhead, mit einem riesigen Krach das Küchenfenster von Northgate - eines der Häuser im Pachesham Park, die vom Golfplatz umschlossen sind - durchschlug und vor der Teetasse des damals 14-jährigen Illo Holy zum Ausrollen kam. Dieser Gewaltschlag erweckte in dem, bis dahin am Golf völlig uninteressierten, Teenager eine gewisse Neugier. Hatten alle golfverrückten Alten, die sich vor allem wegen des Spiels in Pachesham Park niedergelassen hatten, etwa doch recht?

Da war das im Manor wohnende Ehepaar Runciman, dem das gesamte Areal weit und breit gehörte, der Präsident, Mr. George Simon, Chef des Daily Telegraph, der Hon.Secr. Brig.Wood, 2. Ehemann von Illos Mutter, der nahezu blinde Mr. Pinches, der - nur gesteuert von den exakten Anweisungen seines Caddies - tadellose Scores erzielte, bis hin zum vormaligen Jockey des Ali Khan - sie alle betrachteten den Golfcourse Leatherhead als ihr zweites Wohnzimmer. (Dieser hatte damals übrigens nur 16 Holes, da in den mageren Nachkriegsjahren auf den restlichen beiden Löchern Getreide angebaut war!)

Der Beginn einer lebenslangen Beziehung

Ausgerüstet mit einer uralten Segeltuchbag vom Dachboden, gefüllt mit den Hölzern Driver, Brassie und Spoon, sowie den Eisen Cleek, Lofter, Mashie, Niblick und Putter (mit Hickory-Shafts und immer wieder verrostenden Schlägerblättern), wurde der hoffnungsvolle Teenager in die bewährten Hände des Pros Alf Perry gegeben, dem damals schon etwas rundlichen British-Open-Sieger der Dreißigerjahre, dessen Swing aber genauso elegant war wie in seiner Glanzzeit. Er gab ihn auch an seinen neuen Schüler weiter, der ihm große Freude machte, genau so golfverrückt wurde wie alle im Pachesham Park, und als Temporary Member jeden Sommer die meiste Zeit auf dem Golfplatz verbrachte - mit entsprechend bemerkenswerten Scores. In Wien war zu jener Zeit Golf ein nahezu unbekannter Sport und nur einer verschwindenden Minderheit vorbehalten.

Interimszeit

Dann kam für Illo Holy eine lange golflose Zeit. Er spielte Handball, gründete eine Familie und eine Firma. Als er eine kleine Zeitungsnotiz über den geplanten GC Föhrenwald bei Wr. Neustadt entdeckte, erwachte das Golffieber erneut in ihm. Er wurde Gründungsmitglied und blieb dem Club lange Jahre treu. Aber die Idee von einem eigenen Golfclub nach alter schottischer Tradition geisterte nach wie vor in seinem Kopf herum.

Golfclub Wienerwald

1980 begann Illo Holy, sich um ein geeignetes Areal für einen Golfplatz, nicht allzu weit von Wien entfernt, umzusehen. Fündig wurde er nach vielen Fehlschlägen endlich im Frühjahr 1981 in einem wunderschönen Waldgebiet gegenüber dem Schöpfl - Liebe auf den ersten Blick. Am selben Abend entwarf er den Grundriss des Platzes, nur 9 Holes waren hier möglich, denn das Areal ist sehr begrenzt. Das Motto "Small is beautiful" begleitet den GC Wienerwald seit seiner Gründung und es gilt für alle Bereiche, bis hin zur Anzahl der Mitglieder.

8 Gründungsmitglieder

Nach bescheidenem Anfang mit 8 Gründungsmitgliedern, die selbst tüchtig Hand anlegten beim Mähen, Roden und Greensbau, waren im Oktober 1981 bereits 6 Holes bespielbar. So ging es Schritt für Schritt weiter, trotz vieler Hindernisse und Auflagen, da der Platz in einem Naturschutzgebiet liegt. Das bedeutet: kleine, manchmal holprige Greens, schmale Fairways, keine Bewässerungsanlage, das Verbot jeglichen chemischen Einsatzes (worauf der Platz mit Kuhmist gedüngt wurde), bis hin zu limitierten Schlägerungsbewilligungen und strengen Vorgaben für den Bau der Clubhütte. Aber Illo Holy machte aus der Not eine Tugend, sodass sich der GCWW nun als absolutes Naturjuwel präsentiert, was uns ein begeisterter Fachmann, Professor an der Uni für BOKU und selber guter Golfer, attestierte; ebenso zwei schottische Single-Handicaper oder auch ein Gast aus Crans sur Sierre, der wahrlich ein anderes Ambiente gewohnt ist.

Unsere Mitglieder sind eine verschworene Gemeinschaft und stolz darauf, dem kleinsten Club Österreichs anzugehören. Jeder geht über „seinen“ Platz, wann er mag, und dass es bei uns nie Abschlagzeiten gibt, wissen auch diejenigen Greenfee-Gäste zu schätzen, die den GCWW als absoluten Geheimtipp handeln.

Nach 20 Jahren...

Leider ist auch an unserem Club die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen. Nach 20 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit hat uns unser Präsident im Frühjahr 2002 für immer verlassen, aber sein Werk, der GCWW, wird in seinem Sinne weiterbestehen. Daher auch unser Beharren darauf, weiterhin der kleinste Club im Lande mit nur 50 Mitgliedern zu sein (und das mit einem tadellosen finanziellen Background).